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Gestellung von Elektrofahrrädern (E-Bike)

da zurzeit an vielen Stellen für die Gestellung von Elektrofahrrädern durch den Arbeitgeber geworben wird, möchten wir Sie heute u. a. über die steuer-, arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Besonderheiten zu diesem Thema informieren:

Vorsicht ist bereits bei der Leasingvertragsgestaltung geboten:

Hat der Arbeitgeber sich dazu entschieden, seinem Arbeitnehmer ein E-Bike zu überlassen, schließt er zunächst einen Rahmenvertrag / Leasingvertrag mit einem Provider ab.

Bereits bei Abschluss des Vertrages müssen Sie achtgeben! Denn unter Umständen kann der Arbeitgeber bereits bei Leasingbeginn wirtschaftlicher Eigentümer des E-Bikes sein.

Wirtschaftlicher Eigentümer des E-Bike zu sein bedeutet beim Betriebsausgabenabzug: Als Betriebsausgabe können nur noch der Zinsanteil der Leasingrate und die Abschreibung der Anschaffungskosten abgezogen werden.

Um das Risiko des geringeren Betriebsausgabenabzugs zu vermeiden, halten Sie bereits vor Abschluss des Leasingvertrages unbedingt Rücksprache mit unserem Büro.

Haben Sie diese Hürde genommen, gibt es jedoch auch weiterhin einige Besonderheiten zu beachten:

Zunächst einmal ist zwischen den angebotenen E-Bike-Modellen zu unterscheiden, und zwar zwischen sogenannten Pedelecs und S-Pedelecs.

Pedelecs sind Fahrräder, die nach der StVO mit einem max. 250 Watt starken Motor betrieben werden dürfen, welcher auf 25 km/h begrenzt ist. Für derartige Räder gilt keine Kennzeichen- bzw. Versicherungspflicht.

Bei diesen Rädern beträgt der geldwerte Vorteil pro Monat 1 % des Brutto-Verkaufspreises des Herstellers (abgerundet auf volle hundert €). Wird das Fahrrad auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte benutzt, so ist hierfür kein geldwerter Vorteil anzusetzen.

S-Pedelecs sind Fahrräder mit einem Elektroantrieb, mit dem das Rad über 25 km/h fahren kann (Unterstützung meist bis 45 km/h, Motorleistung 250 Watt und mehr). Solche Räder gelten verkehrsrechtlich als Kleinkraftrad und haben somit eine Kennzeichen- und Versicherungspflicht.

Bei diesen Rädern beträgt der geldwerte Vorteil pro Monat 1 % des Brutto-Verkaufspreises des Herstellers (abgerundet auf volle hundert €). Wird das Fahrrad auch für Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte benutzt, so ist hierfür ein zusätzlicher geldwerter Vorteil von 0,03 % des Brutto-Verkaufspreises anzusetzen.

An vielen Stellen wird derzeit für die Gestellung von Elektrofahrrädern (E-Bikes) durch den Arbeitgeber geworben. Oftmals wird von den Providern ein Überlassungsmodell im Rahmen der Entgeltumwandlung angepriesen.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen für die Überlassung des E-Bikes und die Entgeltumwandlung zugunsten des E-Bikes eine schriftliche Vereinbarung treffen.

Der Vorteil, mit dem geworben wird, ist der, dass der nach der Gehaltsumwandlung zu versteuernde geldwerte Vorteil für das E-Bike deutlich niedriger ist, als der Gehaltsverzicht in Höhe der Leasingrate. Dadurch sinkt das steuer- und sozialversicherungspflichtige Bruttoentgelt und sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber haben geringere Steuern und Beiträge abzuführen.

Beispiel: Sie überlassen dem Arbeitnehmer ein E-Bike mit einer Leistung von max. 20 km/h. Das E-Bike würde € 1.700,00 kosten. Die mtl. Leasingrate beträgt € 79,--.

Der geldwerte Vorteil beträgt 1 % aus € 1.700,00 € 17,00 pro Monat.

Nachfolgend ein Beispiel, wie sich dieses E-Bike in der Gehaltsabrechnung eines ledigen Arbeitnehmers, ohne Kinder, TKK, mit einem Gehalt von € 1.800,00 auswirken würde.

ohne E-Bike

mit E-Bike
zusätzlich
zum Gehalt

mit E-Bike
Entgelt-umwandlung
Gehalt € 1.800,00 € 1.800,00 € 1.800,00
Entgeltumwandlung € - € - € 79,00
E-Bike (=1%-Regel) € - € 17,00 € 17,00
Steuerbrutto € 1.800,00 € 1.817,00 € 1.738,00
SV-Brutto € 1.800,00 € 1.817,00 € 1.738,00
Gesamtbrutto € 1.800,00 € 1.817,00 € 1.738,00
Lohnsteuer € 147,58 € 151,16 € 134,33
Kirchensteuer € 13,28 € 13,60 € 12,08
Soli € 8,11 € 8,31 € 7,38
Sozialversicherung € 370,33 € 375,67 € 359,32
Netto € 1.258,88 € 1.268,26 € 1.224,89
Abzüge E-Bike € - € 17,00 € 17,00
Auszahlung € 1.258,88 € 1.251,26 € 1.207,89


Stellt der Arbeitgeber das E-Bike zusätzlich zum Gehalt zur Verfügung, kostet dies den Arbeitnehmer netto € 7,62. Den Arbeitgeber kostet es die Leasingrate für das E-Bike i. H. v. € 79,00 und die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, berechnet auf den geldwerten Vorteil € 17,00 = ca. € 3,40.
Wird das E-Bike durch Entgeltumwandlung finanziert, kostet es den Arbeitnehmer € 50,89.
Zusätzliche Kosten hat der Arbeitgeber nicht, sondern eine Ersparnis, die sich wie folgt berechnet:

Der Arbeitgeber zahlt die Leasingrate von € 79,00. Durch die Entgeltumwandlung wird jedoch weniger Bruttogehalt - € 79,00 gezahlt. Ergibt = € 0,00.
Ohne E-Bike zahlt der Arbeitgeber Beiträge zur Sozialversicherung, berechnet auf € 1.800,00.
Mit E-Bike und Entgeltumwandlung werden Beiträge nur auf € 1.738,00 berechnet.

Die Ersparnis an Sozialversicherungsbeiträgen beträgt somit ca. € 12,40.

Bitte beachten Sie, dass eine Entgeltumwandlung nicht immer zulässig ist. Bei Arbeitsverhältnissen, bei denen eine echte Tarifbindung besteht, kann Entgeltumwandlung nur für übertarifliche Gehaltsbestandteile vereinbart werden.
Eine freiwillige Gehaltsumwandlung des Arbeitnehmers, die zur Unterschreitung des Tarifgehalts führt, ist aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht nicht zulässig. Hier kann es zu einer sogenannten „Phantomlohnfalle“ kommen, so dass der Sozialversicherungsprüfer die Beiträge nicht von dem reduzierten Bruttoentgelt, sondern von dem tatsächlichen Tarifgehalt berechnet und nachfordert. Außerdem kann das Tarifgehalt vom Arbeitnehmer trotzdem eingeklagt werden.

Erfahrungsgemäß sind die Überlassungsverträge von den Providern inhaltlich nicht korrekt.

Wir raten Ihnen daher dringend ab, die von den Providern zur Verfügung gestellten Überlassungsverträge zu verwenden.

Im Rahmen von Prüfungen durch die Finanzverwaltung und der Sozialversicherungsträger kann es bei unrichtigen Verträgen zu erheblichen Nachforderungen kommen.

Zudem unterliegen die Verträge inhaltlich der AGB-Kontrolle. Alles, was danach nicht eindeutig geregelt ist, wird zugunsten des Arbeitnehmers ausgelegt, was zu steuer-, sozialversicherungs- und arbeitsrechtlichen Problemen und erheblichen Nachforderungen führen kann!

Gerne ist unsere Arbeitsrechtsabteilung bereit, Ihnen bei der Erstellung behilflich zu sein.

Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

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